Leerstand des Monats November 2011: Schaufenster Freistadt

Wir haben Carin Fürst, eine der Inititatorinnen und Betreiberinnen des Projekts „Schaufenster Freistadt“ über ihr interessantes Projekt zur Bespielung leer stehender Geschäftslokale befragt. Die Initiative hat sich mittlerweile im Rahmen des LEADER Projekts „Mühlviertler Kernland“ auf mehrere Gemeinden ausgedehnt. Lesen Sie im Folgenden das Interview. Weitere Infos finden Sie auch unter www.schaufenster-kernland.at

Wer ist die Initiative Kernland Schaufenster bzw. Schaufenster Freistadt und wie ist sie entstanden?

Den Anfang nahm das Projekt Kernland Schaufenster 2005 in Freistadt. Irmgard Rinösl hatte die leerstehenden Geschäftslokale in der Freistädter Innenstadt satt und so wurde mit Carin Fürst und weiteren Mitgliedern die Gruppe „Schaufenster Freistadt“ gegründet. Dabei wurde versucht die Schaufenster künstlerisch zu gestalten oder besser gesagt diese Räume für künstlerische Inszenierungen zu nutzen. Nach rund 100 Gestaltungen in Freistadt, die im Laufe mehrerer Jahre gemacht worden waren, trat die LEADER-Managerin des Regionalvereines „Mühlviertler Kernland“, Conny Wernitznig, an die Gruppe heran und fragte ob sie das Projekt auf das gesamte Kernland erweitern wolle.

Was sind die Anliegen des Projekts? Was haben die Gemeinden davon?

Im Projekt überlagern sich mehrere unserer Anliegen: – leerstehende Räumlichkeiten werden einem neuen Nutzen zugeführt, – KünstlerInnen der Region erhalten den Rahmen um sich mit der Region auseinander zu setzen, – Bewohner des Kernlandes, Passanten vor den Schaufenstern werden auf den Reichtum und die Vielschichtigkeit ihres Lebensumfeldes aufmerksam. – alle 18 Gemeinden erhalten eine kleine Bühne, welche sich alle zwei Monate ändert… – die kleinen Gemeinden treten in Kontakt mit den größeren, es findet eine Vernetzung statt. -KünstlerInnen lernen sich bei diversen Veranstaltungen und bei den Übersiedlungen kennen. – Es passiert etwas und es dient als Gesprächsstoff.

Welche Rolle nimmt das Kunstprojekt innerhalb des LEADER-Entwicklungsprozesses ein? Soll damit vor allem auf das Problem der Leerstände aufmerksam gemacht werden oder sind die leeren Schaufenster einfach geeignete „Ausstellungsflächen“, um verschiedene Fragestellungen der Region zu thematisieren?

Ziel des Projektes ist es, einen Rahmen zu schaffen innerhalb dessen KünstlerInnen sich mit Themen der Region auseinandersetzen und diese Arbeiten (in leerstehenden Geschäftslokalen) präsentieren können. Ursprünglich hatten wir die Vorstellung, dass dabei der Leerstand an sich, die damit verbundenen infrastrukturellen Veränderungen, die Auswirkungen und Veränderungen im Sozialgefüge einer Gemeinde zur Diskussion kommen. Die Arbeiten, die nun tatsächlich in den Schaufenstern präsentiert werden, behandeln Themen der Region auf sehr abstrakte Weise. Die KünstlerInnen hatte von unserer Seite her große Freiheit, wie sie ihre Arbeit auf die Region beziehen. Innerhalb der LEADER-Region Mühlviertler Kernland ist es, meines Wissens nach, das erste Projekt, das sich explizit der künstlerischen Auseinandersetzung mit regionalen Themen widmet. Klassische Aufgabenbereiche sind ja eher in der Stärkung von Tourismus, wirtschaftlicher Infrastruktur, lokaler Produkterzeugung und –vermarktung angesiedelt.

Wie ist die Situation in Freistadt? Ist Leerstand ein drängendes Problem? Was war hier Eure Motivation, wie war die Herangehensweise?

Leerstand war ein drängendes Problem, jedoch ist in den letzten Jahren eine deutliche Verbesserung bzgl. Geschäftsbelegung eingetreten, natürlich ist noch Entwicklungsmöglichkeit vorhanden. Wir sind direkt an die Hausbesitzer herangetreten und haben gefragt ob wir die leerstehenden Geschäftslokale für unsere Inszenierungen verwenden dürfen. Von der Gemeinde wurde vorher ein Schreiben an alle Hausbesitzer ausgesandt. Durch eine kleine Unterstützung seitens der Gemeinde konnten wir den Hausbesitzern anbieten den Strom für die Schaufensterbeleuchtung zu bezahlen. Das Interesse der Hausbesitzer war äußerst dürftig und erst durch unsere persönlichen Vorsprachen haben wir dann leerstehende Geschäftslokale bekommen. Von der Bevölkerung bekamen wir großes Echo und wir hatten speziell bei den Schülern des BG Freistadt eine richtige Fangruppe. Wir wurden immer wieder auf unsere Gestaltungen angesprochen und ich denke wir haben damit eine schwierige Zeit in Freistadt etwas erträglicher gemacht. Ist das nicht schon Lohn genug?

Wie funktioniert das Projekt aus Sicht der KünstlerInnen? Passiert dadurch mehr Austausch untereinander? Entsteht eine neue Öffentlichkeit für die Kulturschaffenden?

Wir sind der Meinung, dass wir diese Frage erst nach Beendigung des Projektes wirklich beantworten können. Es scheint mir sehr wichtig zu sein, immer in der Presse präsent zu sein und ich persönlich frage Personen aus anderen Gemeinden, ob sie von unserer Gruppe schon gehört haben und ob sie die Gestaltungen kennen. So wecke ich die Neugierde und gebe den Anstoß zur Weiterverbreitung.

Was ist Euer Programm für die Zukunft? Was sind die nächsten Schritte bei den beiden Projekten?

Das Projekt „Schaufenster Mühlviertler Kernland“ ist auf drei Jahre angelegt. Die Struktur, innerhalb derer die Projekte entwickelt und präsentiert werden, ist dabei fix vorgegeben. Derzeit haben wir nicht vor, daran etwas zu verändern: 18 KünstlerInnen der Region entwickeln für die 18 Gemeinden der Region Mühlviertler Kernland ein Projekt zu einem Thema der Region. Präsentiert werden die Projekte in leerstehenden Geschäftslokalen der jeweils 18 Gemeinden. Pro Gemeinde – eine Gestaltung. Die Gestaltungen wechseln im Laufe eines Jahres 6x ihren Platz, also alle 2 Monate werden sie umgesiedelt. Der logistische und organisatorische Aufwand ist dabei relativ groß.

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Comments
2 Responses to “Leerstand des Monats November 2011: Schaufenster Freistadt”
  1. Horeshji Martina sagt:

    Ich finde es ist trotzdem schade dass unsere Steuergelder so verschwendet werden, schließlich fließen jede Menge „Förderungen“ in derartige Projekte und das sind – richtig, unser aller Steuergelder. Der Nutzen liegt alleine darin dass ein paar Menschen ein Podest bekommen das sie sonst nicht hätten, die Allgemeinheit hat gar nichts davon. Schade um unser Geld

    • Guten Tag, lesen Sie das Interview noch einmal ausführlich und überlegen Sie in Ruhe und ohne Vorurteil, ob es hier tatsächlich darum geht, „dass ein paar Menschen ein Podest bekommen“ und ob Interventionen dieser Art nicht genau dem entsprechen, wofür die öffentliche Hand da sein SOLLTE, nämlich zu versuchen, jene Ungleichgewichte sozialer, wirtschaftlicher oder kultureller Art, die die „unsichtbare Hand“ des Marktes hinterlässt, wieder etwas zurecht zu rücken. In dem „trotzdem“ Ihres Statements klingt zudem an, dass Sie grundsätzlich den positiven Gehalt der Sache verstanden haben. Sonst müssten Sie nicht „zum Trotz“ dagegen sein. Mfg, Fruchtgenuss

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